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ForschenStattFaken: Aktionsmonat Mai zu begreifbarer Wissenschaft für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und PädagogInnen unter www.forschenstattfaken.at

Wir werden zunehmend konfrontiert mit Verschwörungstheorien und Fake-News. Auf der anderen Seite vermitteln WissenschafterInnen ihre empirischen Erkenntnisse und wir versuchen, all diese Inhalte einzuordnen. In einer (digitalen) Welt voller Informationen ist es daher heute so wichtig wie nie zuvor, sich kritisch und offen mit Wissenschaft auseinanderzusetzen, aber auch zu erkennen, wie Fake-News funktionieren. Wissenschaft für alle Menschen begreifbar, zugänglich und nutzbar zu machen ist bereits seit 15 Jahren die Vision des Vereins ScienceCenter-Netzwerk. Seit der Gründung werden sogenannte Science-Center-Aktivitäten eingesetzt, die Wissenschaften und Technik für die Öffentlichkeit hands-on und auf leicht zugängliche Weise erlebbar machen. Sie machen neugierig, wecken Freude am Forschen und kritischen Hinterfragen. Der Verein ist Kompetenzstelle für interaktive Wissenschaftsvermittlung in Österreich und koordiniert dabei das gleichnamige österreichweite ScienceCenter-Netzwerk, ein Zusammenschluss für Praxis, Forschung, Vernetzung und Transfer.

 

Margit Fischer, Vorsitzende des Vereins, schildert die Intentionen der Gründung vor 15 Jahren und warum diese heute noch genauso gelten, wenn nicht noch einen größeren Stellenwert bekommen haben: „Was wir in Corona-Zeiten, aber auch anlässlich des Gedenktags von Tschernobyl zentral im Blick behalten müssen ist die Bedeutung mündiger BürgerInnen, die kritisch hinterfragen und somit schlussendlich politische sowie gesellschaftliche Prozesse mitentscheiden. Unsere Gesellschaft braucht Menschen, die Kompetenzen und das Interesse mitbringen, sich kritisch mit Themen auseinanderzusetzen und Fakten von Manipulationen zu unterscheiden. Durch unsere Projekte im Verein setzten wir von Beginn an auf Angebote für eine breite Bevölkerungsschicht, sich dieses Wissen mit freudvollen Aktivitäten anzueignen.“ Besonders zentral sei hier auch die Vielseitigkeit der heute bereits knapp 200 NetzwerkpartnerInnen und ihrer Arbeit. „So unterschiedlich die PartnerInnen auch sind, es gibt einen großen gemeinsamen Nenner, nämlich die Leidenschaft, den Menschen Wissenschaft und Forschung näher zu bringen – ich würde behaupten so nahe, dass diese Themen auch im Alltag Einzug finden und Wissenschaft lebendig und praxisnahe wird.“

 

#ForschenStattFaken: Eine Kampagne, viele Aktivitäten
Diese Expertise zu einem hochaktuellen Thema zum Nutzen der Öffentlichkeit zu bündeln ist die Idee der gemeinsamen Kampagne #ForschenStattFaken anlässlich des diesjährigen Jubiläums, schildert die Geschäftsführerin des Vereins ScienceCenter-Netzwerk, Barbara Streicher. „Forschen ist ein strukturierter und zugleich kreativer Prozess. Er wird von der Neugier getrieben, den Dingen auf den Grund zu gehen statt sich mit einfachen Lösungen zufrieden zu geben. Wir wollen erlebbar und nachvollziehbar machen, wie Wissenschaft arbeitet und warum das ein vertrauenswürdiges System ist, das seine Quellen, Ergebnisse und Interpretationen laufend überprüft – genau wie qualitativer Journalismus. Mit unseren Hands-On-Aktivitäten geben wir Menschen die Gelegenheit, genau das auch selbst auszuprobieren und Neues für sich zu entdecken. Zum Beispiel im Wissens°raum, wo Menschen jeden Alters und kulturellen Hintergrunds experimentieren und tüfteln können.“

 

„Desinformationen und Wissenschaftsskepsis: Dem können und wollen wir entgegenwirken!“
Die Kampagne zeigt auch die enorme Bandbreite an Wissen und Zielgruppen auf, mit denen die unterschiedlichen NetzwerkpartnerInnen arbeiten, so Streicher: „Es gibt zahlreiche Aktionen für Kinder zum Mitforschen, Jugendliche sind aufgerufen, Fakes mit eigenen Experimenten zu widerlegen (ein Wettbewerb von Prof. Lemeshko vom IST Austria), Familien können erkunden, was es mit Basilisken oder Zauberpflanzen auf sich hat. PädagogInnen stärken Kompetenzen zum Entlarven von Fehlinformationen und eine hochkarätige Diskussion mit Ingrid Brodnig und Bernhard Weingartner beleuchtet, wie Wissenschaftsvermittlung gegen Verschwörungserzählungen wirksam werden kann.“

 

Einige Beiträge im Einzelnen:

Faktenbasierte Informationen oder doch nur Zaubertricks?
Im Sinne einer umfassenden Science Education bietet das NaturErlebnisPark Science Education Center als Netzwerkpartner im städtischen Grünraum eine Reihe von Veranstaltungen an. Nach den Prinzipien des „Forschenden Lernens“ gestaltet, zielen sie darauf ab, das Interesse für Natur und Naturwissenschaften zu wecken, ein naturwissenschaftliches Grundverständnis schrittweise aufzubauen und den Erwerb von naturwissenschaftlichen Kompetenzen zu fördern. Gemeinsam mit (inter)nationalen Partnerinstitutionen entwickeln und beforschen die ExpertInnen Vermittlungsformate und Materialien zur Förderung des kritischen Denkens, der faktenbasierten Entscheidungsfindung und der multiperspektivischen Betrachtung von „socio-scientific issues“, schildert  Andrea Frantz-Pittner vom NaturErlebnisPark Science Education Center Graz. „Das bedeutet, dass die Grundlogiken empirischer Erkenntnisgewinnung wie Hypothesentestung durch  Variablenkontrollstrategien, die Interpretation von Daten, die Bewertung von Informationsquellen oder die Einbettung der eigenen Ergebnisse in einem größeren Kontext stattfinden. Wenn diese Schritte unterbleiben, besteht die Gefahr des Abgleitens in effektvolle „Zaubertricks“.  Auch der Beitrag zur Kampagne stellt daher Aspekte, die für das prinzipielle Verständnis von Wissenschaft, deren Gütekriterien und deren Grenzen bedeutsam sind, in den Mittelpunkt. „In Zeiten wie diesen ist es wichtiger denn je, kritisches Denken zu fördern. Es macht uns Sorgen, wie weit Esoterik und Verschwörungstheorien bereits in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen sind und Entscheidungen beeinflussen. Ich hoffe, dass es uns als Netzwerk gelingt, gemeinsam Strategien, Materialien und Methoden zu entwickeln, die zu mehr reflektierten, transparenten und faktenbasierten Entscheidungen in unserer Gesellschaft beitragen.“

 

Wie Fake News entstehen können
Das Vienna Open Lab ist Netzwerkpartner der ersten Stunde und schätzt vor allem den Austausch mit diversen AkteurInnen der Wissenschaftskommunikation. Dass die PartnerInnen im Netzwerk ihr Wissen und Ihre Kräfte bündeln können und damit sichtbarer werden, ist eine weitere Stärke, die sich auch in der Kampagne #ForschenStattFaken zeigt, schildert Karin Garber, Geschäftsführung von Open Science und Leiterin des Vienna Open Lab. Im Zeitalter sozialer Medien gelangen Falschinformationen ungefiltert an die breite Öffentlichkeit. Um ihre Ausbereitung zu verhindern, müssen entsprechende Gegenangebote – wie sie die Kampagne #ForschenStattFaken liefert – bereitgestellt werden. Passend dazu verfolgt das Vienna Open Lab das Ziel, wissenschaftliche Arbeitsweisen und kritisches Denken zu vermitteln.“ Anliegen des Vienna Open Labs ist es nicht nur Fehlinformationen zu widerlegen, sondern vor allem Menschen darin zu schulen, Dinge zu hinterfragen und fundierte wissenschaftliche Informationen von pseudowissenschaftlichen Inhalten zu unterscheiden, betont die Geschäftsführerin und schildert, welche Angebote sie im Rahmen des Aktionsmonats zur Verfügung stellen werden. „Auf Social Media kursieren zahlreiche wissenschaftliche Experimente, die beeindruckende Ergebnisse mit wenig Aufwand versprechen. Durch geschickte Video-Schnitte oder das Auslassen von Informationen gelingen viele Experimente nur scheinbar. Das Vienna Open Lab stellt in seinem Videobeitrag einige dieser Experimente im Labor nach, liefert Hintergrundinformationen und klärt auf, warum die Anleitungen nicht, wie gezeigt, funktionieren.“

 

„Inspiring Chats“ und spannende Podcast-Beiträge
Die FH St. Pölten als ein weiterer Netzwerkpartner des Vereins ist eine forschungsstarke Hochschule, für die Wissenstransfer und der Dialog mit der Gesellschaft eine zentrale Rolle einnehmen. „Bei uns gibt es keinen akademischen Elfenbeinturm“, sagt Hannes Raffaseder, Mitglied der Geschäftsführung. „Unsere Forschungsthemen wollen wir im Austausch mit der Öffentlichkeit laufend hinterfragen und weiterentwickeln. Die Mitgliedschaft im ScienceCenter-Netzwerk ermöglicht den dafür notwendigen Austausch und fördert Interaktion mit vielen PartnerInnen. So bleiben wir über aktuelle Entwicklungen am Laufenden und können unseren Beitrag dazu leisten, kritisches Denken und Wissenschaftsverständnis in der Bevölkerung zu stärken.“ Im Rahmen des Aktionsmonats bringt die FH St. Pölten drei Podcast-Beiträge ein, in denen es um das automatische Erkennen von Fakenews, um Deepfakes und um Verschwörungstheorien geht. Außerdem wird am 17. Mai im Rahmen der Online-Reihe „Inspiring Chats“ diskutiert, wie die Wissenschaftsvermittlung unterstützen kann, die Fähigkeit zum eigenen, kritischen Beurteilen der Fakten zu fördern.

 

„Ideen gehören in die Box!“
Die Einbindung von PatientInnen und BürgerInnen in die Forschung kann Evidenz ganz im Sinne von #ForschenstattFaken schaffen, erzählt Raphaela Kaisler, LBG Open Innovation in Science Center der Ludwig Boltzmann Gesellschaft. „Wir arbeiten daran, diese und andere Interessengruppen außerhalb der akademischen Welt in die Forschung einzubinden und offene inter- und trans-disziplinäre Forschung zu ermöglichen. Die frühzeitige und kontinuierliche Einbindung der Öffentlichkeit und der PatientInnen führt zu einer stärker patientenzentrierten Forschung, die Wissen aus persönlicher Erfahrung oder Praxis einbezieht. Außerdem wird die Stimme der teilnehmenden BürgerInnen gestärkt, was eine wirksame Abschreckung gegen Fake News sein kann.“ Eines der aktuellen Projekte ist die Ideenbox, die Probleme von BürgerInnen und PatientInnen rund um das Thema Gesundheit sammelt. „Die gesammelten Probleme werden veröffentlicht und dann mit BürgerInnen, ForscherInnen und Stakeholdern aufbereitet, um Lösungsansätze zu finden und die Vernetzung zwischen Gesellschaft und Wissenschaft zu ermöglichen.“

 

Über 30 Aktivitäten und Angebote der NetzwerkpartnerInnen, Termine sowie eine große Sammlung an Ressourcen zum Thema stehen auf der Kampagnen-Website www.forschenstattfaken.at gesammelt zur Verfügung.

 

Den Pressetext als PDF zum Download gibt es HIER
Die Folien zum Mediengespräch HIER

 

Der Verein ScienceCenter-Netzwerk wird unterstützt von der Stadt Wien, dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BWF), dem Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK), der Arbeiterkammer Österreich, der Industriellenvereinigung, der Wirtschaftskammer Österreich, dem Wiener Städtische Versicherungsverein, Youngsan und der AVL List GmbH.

 

Rückfragehinweis:
Verein ScienceCenter-Netzwerk
Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Christina Badelt
T: + 43 676 89 75 78 – 320
E: badelt@science-center-net.at
W: www.science-center-net.at,
www.forschenstattfaken.at